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10.03.2008
Neue Gewichtung der Zuchtwerte bei Deutschen Holsteins

Der Deutsche Holstein Verband e.V. (DHV) hat anlässlich seiner ordentlichen Mitgliederversammlung am 6. März 2008 umfangreiche Änderungen in der Zusammensetzung der Relativzuchtwerte für Exterieur (RZE) und für Fruchtbarkeit (RZR) sowie des Gesamtzuchtwertes (RZG) beschlossen.


Berücksichtigung des Exterieurs noch umfassender und genauer

Seit einigen Jahren wird im Rahmen der linearen Beschreibung das Merkmal "Bewegung" erfasst. Nachdem es international als Standardmerkmal festgelegt wurde, erhält dieses Merkmal zukünftig einen Anteil von 20 % im Fundamentindex und wird somit auch im RZE berücksichtigt. Weiterhin haben wissenschaftliche Untersuchungen der Uni Halle gezeigt, dass extrem große, breite und tiefe Tiere eine signifikant geringere Nutzungsdauer aufweisen. Diesen Erkenntnissen wird jetzt im Merkmalskomplex "Körper" Rechnung getragen, in dem solche Tiere in den oben genannten "Dimensionsmerkmalen" ab einem Zuchtwert von 112 keine weiteren Zuschläge mehr erhalten. Letztendlich wird noch die Standardisierung der Exterieurzuchtwerte angepasst. Zukünftig werden sie nicht mehr auf die Streuung der geschätzten Zuchtwerte sondern so wie alle anderen Merkmale auf die genetische Streuung standardisiert. Dieses hat zwar zur Folge, dass die Streuung der Exterieurzuchtwerte um 10-15 Prozent geringer wird, die Rangfolge der Bullen ändert sich dadurch aber nicht.


Töchterfruchtbarkeitsindex RZR

Seit Januar 2008 ist das neue Modell zur ZWS für Töchterfruchtbarkeit eingeführt, das dem komplexen biologischen Zusammenspiel verschiedener Faktoren bei der Fruchtbarkeit Rechnung trägt. Um diesen komplexen Bereich für Züchter übersichtlicher zu gestalten, werden künftig die dabei geschätzten fünf Einzelmerkmale zum Relativzuchtwert Reproduktion (RZR) zusammengefasst. Der RZR beinhaltet die Merkmalskomplexe Rastzeit und Konzeption, die im Verhältnis 25:75 gewichtet werden. Obwohl beide etwa gleichviel zu den genetischen Unterschieden in der Zwischenkalbezeit beitragen, verursacht deren Verlängerung durch Umrindern (schlechtere Konzeption) aber noch zusätzliche Kosten für die Nachbesamung. Es muss allerdings deutlich darauf hingewiesen werden, dass aufgrund der geringen Erblichkeit die Zucht auf Fruchtbarkeit nur mittel- und langfristig eine Verbesserung zur Folge haben wird. Akute Fruchtbarkeitsprobleme in der Herde sind nur über das Management zu lösen. Deshalb sollten Bullen mit unterdurchschnittlichen Fruchtbarkeitszuchtwerten nicht automatisch abgelehnt werden, weil sonst auch Zuchtfortschritt in anderen wirtschaftlich wichtigen Merkmalen verloren gehen würde.


Neuer Gesamtzuchtwert in der Holsteinzucht

Nach nunmehr sechs Jahren wurde aufgrund neuer Erkenntnisse auch eine Änderung der Zusammensetzung im Gesamtzuchtwert RZG beschlossen. Als Grundlage für die Neuausrichtung dient unter anderem eine am Tierzuchtinstitut in Göttingen in Auftrag gegebene wissenschaftliche Untersuchung zur Ableitung von Wirtschaftlichkeitskoeffizienten und Indexgewichten in der Rinderzucht sowie die oben beschriebenen Weiterentwicklungen in der Zuchtwertschätzung. Etwas stärker werden zukünftig die Fitness- und Gesundheitsmerkmale Zellzahl, Nutzungsdauer, Fruchtbarkeit und Kalbemerkmale berücksichtigt. Dafür wurde der Leistungsbereich um fünf Prozent in der Gewichtung reduziert. Außerdem ist im neuen RZG nicht mehr der gesamte RZE Bestandteil, sondern nur noch die Merkmale Fundament und Euter mit jeweils 7,5 %. Im internationalen Vergleich war Deutschland bisher das einzige Land, das mit dem RZE das Gesamtexterieur im Gesamtzuchtwert berücksichtigte. Mit der Änderung passt man sich also der internationalen Vorgehensweise an. Der RZE bleibt aber den besonderes auf Exterieur ausgerichteten Züchtern erhalten. Der neue RZG wird zu leichten Umrangierungen führen, die in der Praxis auf aber allgemeine Akzeptanz stoßen sollten.

Der Gesamtzuchtwert ist jetzt noch stärker auf die Zucht einer funktionalen Milchkuh mit hohem Leistungspotential, Exterieurstärke, guter Gesundheit und Fruchtbarkeit ausgerichtet. Die Mitgliederversammlung hat demnach auch eine Anpassung des Zuchtzieles für Deutsche Holsteins beschlossen, das Langlebigkeit und Gesundheit noch stärker betont.



 Der RZG in der Deutschen Holsteinzucht ab April 2008

Merkmalsbereich aktuell NEU
Leistung 50 % 45 %
Exterieur') 15 % * 15 %*
Zellzahl (RZS) 5 % 7 %
Nutzungsdauer (RZN) 25 % 20 %
Zuchtleistung (RZZ) 5 % -
Töchterfruchtbarkeit (RZR) (1 % )** 10 %
Kalbemerrkmale maternal (2 %)** 3 %

* bisher RZE; künftig nur noch Fundament u. Euter mit je 7,5%
**
bisher über den RZZ berücksichtigt



Änderungen in der Merkmalsgewichtung des RZG

Merkmalsgewichtung des RZG


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